Bye Bye Atomkraftwerk

Spätestens am 31.12.2022 geht in Deutschland das letzte Atomkraftwerk vom Netz. In Medien und Politik wird jedoch immer noch kolportiert, dass das deutsche Vorhaben ein Sonderweg sei. Vor dem Hintergrund der „Fridays for Future“-Bewegung und der mutmaßlichen Äußerungen der Schwedin Greta Thunberg zur Atomkraft wird ihre Rolle für den Energiemix aktuell wieder stärker diskutiert.

Tatsächlich hat aber auch Schweden bereits in den 1980er Jahren per Referendum einen Atomausstieg beschlossen. Dieser hätte bis 2010 umgesetzt sein sollen, war aber nicht rechtlich bindend. Eine Hintertür wurde von der Regierung offen gelassen: Auf dem Gelände von stillgelegten Reaktoren dürfen neue gebaut werden, jedoch werden diese nicht vom Staat subventioniert. Ein entscheidender Faktor-dazu später mehr.

Dieser geplante Atomausstieg führte zur Abschaltung des AKW Barsebäck. Der erste Block ging 1999 vom Netz, der zweite im Jahr 2005. Dabei spielt die Lage eine besondere Rolle: Barsebäck liegt nur etwa 20 Kilometer von Kopenhagen entfernt. Die Regierung in Dänemark hatte darauf hingewirkt, dass das Kraftwerk in Südschweden als erstes AKW abgeschaltet werden sollte..

Der Besuch im Atomkraftwerk

Warum diese Vorrede? Nun, im Sommer 2015 hatte ich die Möglichkeit, das Atomkraftwerk zu besuchen und mir den Komplex von innen anzuschauen. Die Tour war aus zwei Gründen besonders spannend: Zum einen konnten wir die komplette Großtechnik besichtigen, zum anderen wurde auch die schwedische Perspektive auf die Endlager-Problematik thematisiert.

Beeindruckt haben mich die Dimensionen. Barsebäck war zwar nur ein „kleines“ Kraftwerk mit jeweils 630 MW Leistung pro Block, aber die Ausmaße der Turbinen, Generatoren oder Pumpen zur Kühlung sind eindrucksvoll. Die verbaute Technik wird – soweit sie nicht kontaminiert ist – abgebaut und verkauft. Ein Highlight war der Besuch der Leitwarte mit Blick auf das Abklingbecken - beeindruckend in verschiedenen Dimensionen.

Gleichzeitig zeigt Barsebäck, dass das Abschalten der Atomkraftwerke ein langer Prozess ist. Auch nach fast 15 Jahren Abschaltung haben die eigentlichen Rückbauarbeiten noch nicht begonnen. Das Gelände soll eines Tages in Bauland umgewandelt werden – möglicherweise für einen Technologiepark für erneuerbare Energien oder für Wohnraum. Durch die Lage am Meer – eine günstige Kühlmöglichkeit – ist aktuell Bauland knapp.

Die ausgebrannten Brennelemente sollten eigentlich in Forsmark, wo auch ein Atomkraftwerk steht, endgelagert werden. Damit das Kraftwerk Barsebäck zurückgebaut werden kann, muss das Endlager fertig sein. Der Ort ist zwar ausgewählt, jedoch gibt es noch Probleme bei der Genehmigung. So ist beispielsweise nicht sicher, dass die Kupferbehälter für die Brennelemente wirklich zehntausende Jahre halten, oder ob sie vorher bereits korrodieren und damit undicht werden. Eine Entscheidung soll in diesem Herbst fallen. Bei dem Besuch in Barsebäck galt das Endlager als noch selbstverständlich.

Energiewende durch den Markt - das funktioniert.

Der Besuch in Barsebäck hat mir vor allem eins gezeigt: Ich kann die Begeisterung für eine vermeintlich saubere Energieform verstehen. Die verbaute Technik und die Dimensionen beeindrucken. Die Frage einer Endlagerung ist dabei auch in Schweden noch nicht gelöst – auch wenn sie schon weiter sind als Deutschland. Die schwedische Regierung hat zwar 2016 ein Gesetz verabschiedet, wonach auf dem Gelände von Kernkraftwerken neue Reaktoren gebaut werden dürfen. Diese Regelung wurde von den Kraftwerksbetreibern aus wirtschaftlichen Gründen bislang nicht in Anspruch genommen. Ein schöner Gedanke – Wind, Wasser und Sonne sind jetzt schon günstiger als Strom aus Kernenergie. Energiewende durch den Markt, das funktioniert. Und die Schaffung von neuem Wohn- und Arbeitsraum auf dem ehemaligen Gelände eines Atomkraftwerks – einfach nachhaltig.