Deutschland vs. Schweden – Der Klimaschutzvergleich

Die Deutschen mögen Schweden: Astrid-Lindgren-Romantik, Elch-Parks und lange Sommertage bei durchwachsendem Wetter führten dazu, dass sie 2017 insgesamt knapp 3 Millionen Nächte in Schweden verbrachten. Obwohl die beiden Länder nur die Ostsee trennt, unterscheiden sie sich in einigen Aspekten fundmental. 

Neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der gelebten Digitalisierung - Stichwort: Zahlen mit Bargeld in Deutschland vs. digitale Ansätze in Schweden - ist dies vor allem das Thema Nachhaltigkeit. Schweden sind nicht nur begeisterte Recycling-Fans, sondern auch im Großen und Ganzen Anhänger eines nachhaltigen Lebensstils. Bei Lebensmitteln wird durchgehend ökologisch gekauft; vegetarische Burger werden mit ihrem geringen CO2-Ausstoß angepriesen.

Obwohl keines der europäischen Länder genug tut, um die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen zu erreichen, ist Schweden immer noch das Land mit den größten Fortschritten. Schweden hat einen hohen Anteil von erneuerbaren Energien im Energiemix. In dem nordischen Land liegt die Nutzung von erneuerbaren Energien insgesamt bei 54 Prozent und damit ca. 3,5 Mal höher als in der Bundesrepublik. Gleichzeitig hat das Land jedoch noch einen zu hohen Pro-Kopf-Energieverbrauch, während die Emissionen insbesondere im Transportsektor zu hoch liegen. Interessanterweise wurden 2017 in Schweden insgesamt 525 TWh Energie erzeugt, davon fließen jedoch 155 TWh nicht in die finale Energieversorgung ein, da es sich um Übertragungs- und Transformationsverluste handelte. Dies betrifft vor allem die Kernenergie in Schweden. 

Ranking of EU countries’ ambition and progress in fighting climate change

Ranking of EU countries’ ambition and progress in fighting climate change

Deutschland ist mittlerweile auf den achten Platz im europäischen Ranking zurückgefallen und liegt damit nur noch knapp vor Ländern wie Kroatien und Litauen. Wie bereits im vergangenen Jahr berichtet und nun auch von der neuen Umweltministerin Svenja Schulze zugegeben wurde, wird Deutschland die Klimaschutzziele 2020 verfehlen. Zwar hat die Große Koalition im Koalitionsvertrag aus dem Februar 2018 vereinbart, den Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor bis 2030 auf 65 Prozent zu steigern. Gleichzeitig bremste Wirtschaftsminister Altmaier letzte Woche in Brüssel, den Anteil der Erneuerbaren am Energiemix auf 33 bis 35 Prozent zu heben. Der Kompromiss sieht nun ein Ziel von 32 Prozent vor.

Was bleibt: Schweden hat den Deutschen in puncto Klimaschutz einiges voraus. Besonders in der Nutzung von erneuerbarer Energie im gesamten Energiemix – also nicht nur im Stromsektor – muss Deutschland deutlich besser werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Wenn die Schweden im WM-Spiel ähnlich souverän agieren, dann wird Deutschland nicht nur in Europa auf Platz 8 landen…