Was bedeutet Nachhaltigkeit für mich?

 

Nachhaltigkeit ist eines der aktuellen Buzzwords: Viele Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs werben mit dem Zusatz „aus nachhaltigem Anbau“, egal ob es um Kartoffeln aus Mecklenburg-Vorpommern, Kerzen auf Palmölbasis aus Regenwälder, oder Kaffee aus Guatemala geht. Dabei entstammt der Grundgedanke der Nachhaltigkeit nicht dem Marketing, sondern aus der Forstwirtschaft. Der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz postulierte 1713, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen konnte. Die wohl berühmteste Definition einer Nachhaltigen Entwicklung stammt sicherlich aus dem sogenannten Brundtland-Report der UN von 1987 mit dem Namen „Our Common Future“: „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.

Die Stärke dieser Definition liegt aus meiner Sicht in ihrem inklusiven Charakter, da sich alle Akteure auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner verständigen können. In Konsequenz können außerdem verschiedene Varianten einer Definition von Nachhaltigkeit erarbeitet werden, die trotzdem mit derjenigen der UN einhergehen. Ein Beispiel ist das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, das die drei Sphären Wirtschaft, Soziales und Umwelt gleichberechtigt behandelt. Dem gegenüber steht zum Beispiel ein anderes Modell, wonach die Umwelt die zentrale Größe die Umwelt sein sollte, die auch Soziales und Wirtschaft mit einschließt.

Nachhaltigkeit ist also nicht nur ein aktueller Trend, sondern wird bereits seit mehr als 300 Jahren als solches diskutiert und deutlich länger schon praktiziert. Doch was bedeutet dieser Begriff für mich? Als ich vor knapp drei Jahren mein Masterstudium in Schweden begann, war ich mir darüber selbst nicht genau im Klaren. Der Entschluss tatsächlich in Uppsala zu studieren entstand aus dem Bedürfnis mehr über Nachhaltigkeit zu lernen. Ich hatte Bücher gelesen, die sich mit verschiedenen Phänomenen beschäftigten, zum Beispiel „Faktor Fünf“, Tim Jacksons „Prosperity without Growth“, oder Niko Paechs „Die Befreiung vom Überfluss“. Die vorgestellten Lösungen waren spannend, auch wenn ich sie nicht immer in der Tiefe verstand. Was mir fehlte, war ein theoretischer Hintergrund, der mir helfen würde, Dinge besser einzuordnen.

Nach dem Studium und mehrjährigem Engagement in dem Bereich kann ich folgendes sagen: Es gibt keine abschließende und allgemeine Antwort darauf, was Nachhaltigkeit ist. Das von Brundtland erarbeitete Konzept hat immer noch für eine generelle Beschreibung Gültigkeit. Taucht man jedoch ein wenig tiefer in den jeweiligen Bereich ein, so werden die Ansätze schnell konkreter. Im Energiesektor ist der nachhaltige Ansatz beispielsweise einer, der eine möglichst dezentrale und CO2-arme Energieerzeugung in den verschiedenen Sektoren sicherstellt. Um zu einem solchen Szenario zu gelangen, gibt es viele spannende Lösungen, die ihren Teil beitragen. Und das macht Nachhaltigkeit für mich aus: Wir müssen uns davon verabschieden, immer die große und alles umfassende Lösung zu suchen, sondern kleine Schritte in eine nachhaltigere Richtung wagen. Einen spannenden Ansatz im Energiesektor präsentiere ich nächste Woche – stay tuned!