Energiegenossenschaften - Gemeinsam zu neuer Stärke?

Wie in der letzten Woche versprochen, möchte ich in dieser Woche einen Ansatz im Energiesektor vorstellen, den ich im Hinblick auf eine nachhaltig ausgerichtete und sichere Energieversorgung für sehr viel versprechend halte. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Teile der Energiewende unter einer schwindenden Akzeptanz leiden, ist neben der ökologischen insbesondere die soziale Perspektive des Ausbaus der erneuerbaren Energien entscheidend. Ein spannender Ansatz können Energiegenossenschaften sein.

Genossenschaftsähnliche Organisationsformen existieren seit dem Mittelalter, eine wirkliche Bedeutung erlangten die Genossenschaften aber zunächst rund 1850 mit der Gründung der ersten genossenschaftlichen Banken. Auch heute noch nehmen genossenschaftliche Banken, z.B. Volksbanken und Raiffeisenbanken, Wohnungsbaugenossenschaften oder Genossenschaften im Bereich Landwirtschaft eine gesellschaftlich wichtige Rolle ein.

Energiegenossenschaften sind daher keine neue Organisationsform, sondern vielmehr die stringente Weiterentwicklung des kooperativen Ansatzes. Sie können als demokratische Organisationen definiert werden, die sich auf erneuerbare Energien konzentrieren, um die gemeinsamen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen ihrer Mitglieder zu verfolgen. In Deutschland gab es einen regelrechten Boom in den Jahren 2008-2013, der insbesondere aufgrund der Förderung von erneuerbaren Energien durch das EEG ausgelöst wurde.

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In Folge des Booms wurde dem Forschungsfeld eine erhöhte Aufmerksamkeit zuteil. In meiner Masterarbeit habe ich mit Energiegenossenschaften in Deutschland, Dänemark und Schweden befasst und sie vor dem Hintergrund ihrer Transaktionskosten untersucht. Klingt kompliziert? Hier ein Erklärungsversuch.

Transaktionskosten sind elementarer Bestandteil der Neuen Institutionenökonomik. Im Grundsatz besagen sie, dass jede Nutzung des Marktes mit Kosten einhergeht. Möchte ich beispielsweise ein neues Handy kaufen, so informiere ich mich im Vorhinein. Für dieses Beispiel sind Kosten gering, da zumindest alle Informationen relativ einfach verfügbar sind – nur die Masse an unterschiedlichen Modellen könnte ein Problem sein. Ein anderes Beispiel sind zum Beispiel Kontrollkosten, die bei der Beaufsichtigung von Prozessen entstehen.

Wie passen nun Energiegenossenschaften und die recht sperrigen Transaktionskosten zusammen? Da es sich bei Energiegenossenschaften um einen relativ losen Zusammenschuss handelt, habe ich untersucht, inwieweit beispielsweise das Trittbrettfahrerproblem für Energiegenossenschaften schwierig sein könnte. Auch verfolgen Genossenschaften häufig auf das Prinzip „Pro Mitglied eine Stimme“, sodass alle unabhängig von ihrer Einlage gleichberechtigt sind. Daher habe ich geprüft, ob es Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung gibt, oder ob Entscheidungen z.B. hinsichtlich der Errichtung von neuen Windkraftanlagen unproblematisch getroffen werden.

Im nächsten Post dann mehr zu den Gründen, warum Energiegenossenschaften gegründet werden, welche Vor- und Nachteile sie haben und die Antwort darauf, inwieweit Transaktionskosten Energiegenossenschaften beeinflussen.